Landkreis Vechta beschlagnahmt 29 Hunde aus illegalem Hundehandel

Dem Landkreis Vechta ist in der vergangenen Woche ein Schlag gegen den illegalen Hundehandel gelungen. Insgesamt 29 Hunde konnten sichergestellt werden, darunter 18 Welpen. Nach anonymen Hinweisen wurden an drei Orten im Landkreis Vechta Wohnräume und Haltungseinrichtungen in Zusammenarbeit mit der Polizei durchsucht. Zudem hatte eine private Tierschutzorganisation die Aktion unterstützt. Der Verdacht des illegalen Welpenhandels und der illegalen Zucht von Dackelwelpen bestand in diesen Fällen schon seit längerem, allerdings konnte erst jetzt der rechtssichere Nachweis erbracht werden. „Ich freue mich, dass den Tätern das Handwerk gelegt werden konnte. Illegaler Hundehandel ist kein Kavaliersdelikt. Umso wichtiger ist eine konsequente Verfolgung zum Schutz der Tiere“, erklärt Landrat Tobias Gerdesmeyer.
Die Tiere wurden zum Teil in völliger Dunkelheit und auf verdreckten Böden ohne Liegeflächen und ohne Wasser gehalten. Die Welpen waren teilweise noch deutlich jünger als acht Wochen, wurden aber bereits ohne Mutterhündin vorgefunden. Alle Tiere zeigten einen ausgeprägten Parasitenbefall. Bei der anschließenden tierärztlichen Untersuchung der sichergestellten Hunde wurden weitere Erkrankungen wie Gesäugetumore bei den Zuchthündinnen, Zahnstein, Herzgeräusche, Husten und Abmagerung festgestellt. Zwei Welpen waren so abgemagert und krank, dass sie eine Intensivpflege unter tierärztlicher Aufsicht benötigten. Eines der Welpen ist inzwischen verendet. Ob einige oder mehrere der Zuchthündinnen noch tragend sind, wird sich bei Untersuchungen in den kommenden Tagen herausstellen.
Viele der sichergestellten Hunde weisen Merkmale auf, die auf den sogenannten Merle-Faktor hinweisen. Der Merle-Faktor beim Dackel ist eine Genmutation, die zu einer auffälligen, marmorierten Fellaufhellung und oft zu blauen Augen führt. Obwohl optisch beliebt, ist die Zucht streng reguliert, da das Gen bei reinerbigen Hunden zu schweren gesundheitlichen Defekten wie Taubheit und Blindheit führen kann. In Deutschland ist es verboten, zwei Tiere mit Merle-Gen zu verpaaren, denn bei den daraus resultierenden Welpen würde es sich um sogenannte „Qualzuchten“ handeln.
„Leider war diese Aktion nur ein erster kleiner Erfolg und somit lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Der illegale Welpenhandel geht weiter“, so Dr. Andree Schmidt, Leiter des Veterinäramtes. Die Fundorte der Tiere lagen in einsamer Umgebung. „Es gibt immer eine Vorzeigestelle, an der die Welpen verkauft werden und an denen Kunden empfangen werden. Die Tierhaltung an diesen Vorzeigestellen ist meist nicht zu beanstanden oder die Welpen werden mit einem vorgeblichen Muttertier vorgestellt. Der Großteil der Welpen wird aber an unbekannten Orten unter widrigsten Bedingungen aufbewahrt“, erklärt Schmidt. Die Herkunft der Muttertiere ist meist unklar. Die Täter sprechen Freunde und Bekannte an, ob diese bereit wären, gegen ein kleines Entgelt eine Anzeige auf ihren Namen auf die gängigen Onlineverkaufsplattformen zu stellen. Die Abwicklung erfolgt dann über die illegalen Händler, deren Telefonnummern weitergegeben werden.
„Um den illegalen Welpenhandel weiter einzudämmen, ist der Landkreis auf die Mithilfe der Bürger angewiesen. Wem eine Hundehaltung in abgelegenen Bereichen auffällt oder wem bekannt ist, dass regelmäßig wechselnde Hunde oder auch Welpen gebracht oder abgeholt werden, ist dies an örtliche Veterinäramt zu melden. Das gilt auch dann, wenn einem beispielsweise ein Welpenkauf ungewöhnlich vorkam“, sagt Schmidt weiter. Für den Landkreis Vechta können die Meldungen an das Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung unter veterinaeramt(at)landkreis-vechta.de erfolgen.

