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Knapp 4 Millionen Euro aus Berlin: Bund fördert Projekt „5G Nachhaltige Agrarwirtschaft“ im Landkreis Vechta / Winkel: „Landkreis wird Ideenwerkstatt für die Landwirtschaft 4.0“

Knapp 4 Millionen Euro aus Berlin: Bund fördert Projekt „5G Nachhaltige Agrarwirtschaft“ im Landkreis Vechta / Winkel: „Landkreis wird Ideenwerkstatt für die Landwirtschaft 4.0“

Bundesminister Andreas Scheuer übergibt Landrat Herbert Winkel als Vertreter des regionalen Konsortiums die Zuwendungsurkunde. Quelle: BMVI

Jetzt ist es offiziell: Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert das Konzept „5G Nachhaltige Agrarwirtschaft“ im Landkreis Vechta mit fast 4 Millionen Euro. Bundesminister Andreas Scheuer hat heute in einer virtuellen Konferenz Landrat Herbert Winkel als Vertreter des regionalen Konsortiums die Zuwendungsurkunde übergeben. Das Konzept aus dem Landkreis Vechta ist eines der ersten zehn Projekte, die im Rahmen des 5G-Innovationswettbwerbs gefördert werden. „Wir freuen uns, dass der Landkreis Vechta bei der Erprobung von 5G-Anwendungen zur Pioniergruppe in Deutschland gehört. Wir wollen mit unseren Kooperationspartnern die Möglichkeiten neuester Mobilfunktechnologie für eine nachhaltigere und transparentere Landwirtschaft nutzen – zum Wohle von Tier und Umwelt“, so Winkel. Geplant ist ein Reallabor, indem die Wertschöpfungsketten von Geflügel und Schwein abgebildet werden. Dabei kommen 5G und künstliche Intelligenz (KI) sowohl bei der Überwachung der Tiergesundheit und als auch beim Nährstoffmanagement zum Einsatz. „Gemeinsam mit vielen Akteuren aus dem Verbund trafo:agrar können wir im Reallabor OM einen weiteren Schritt Richtung Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft gehen“, erklärt Dr. Barbara Grabkowsky, Geschäftsführerin der Wissenschaftlichen Koordinierungsstelle des Verbunds Transformationsforschung agrar Niedersachsen. Beantragt hatte das Vorhaben die an der Universität Vechta angesiedelte Transformationsstelle trafo:agrar gemeinsam mit der Amt für Wirtschaftsförderung des Landkreises.

Glückwünsche erreichten die Antragsteller von der örtlichen Bundestagsabgeordneten Silvia Breher: "Ich freue mich sehr, dass das Projekt ‚5G Nachhaltige Agrarwirtschaft‘  im 5G-Innovationswettbewerb des Bundesverkehrsministeriums überzeugt hat und ausgewählt wurde. Der Landkreis Vechta, die Universität Vechta und das Agrar + Ernährungsforum e.V. leisten damit als Projektpartner nicht nur einen wertvollen Beitrag, um die 5G-Technologie in Deutschland voranzubringen, sondern sie stellen mit dem Pilotprojekt die Innovationskraft des Oldenburger Münsterlandes wieder einmal unter Beweis: Technologieoffen und in die Zukunft gewandt. Wenn einer Zukunft der Landwirtschaft kann, dann wir! Klasse und herzlichen Glückwunsch!"

Hinter dem Konsortium steht ein breiter Verbund aus Wissenschaftlern, Verbänden und Unternehmern aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft: Die Transformationsstelle Agrar der Universität Vechta, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Osnabrück, die Georg-August-Universität Göttingen, die Universität und die Hochschule Osnabrück, das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e.V., Big Dutchman, Böseler Goldschmaus, Brand Qualitätsfleisch, die BWE-Brüterei Weser-Ems, die Erzeugergemeinschaft Qualitätsvieh im Oldenburger Münsterland, Josef Kotte Landtechnik, der Kreislandvolkverband Vechta, die Naturdünger-Verwertungs GmbH und die Vetvise GmbH. „Der große Kreis an Kooperationspartnern zeigt, wie das Projekt mit den unterschiedlichsten Kompetenzen aus Wissenschaft und Praxis zu einer echten Ideenwerkstatt für die Landwirtschaft 4.0 wird“, zeigt sich Landrat Herbert Winkel überzeugt.

So wird beispielsweise die Universität Göttingen daran arbeiten, tier-, stall- und betriebsbezogenen Daten zusammenzufassen und daraus mittels KI spezielle Algorithmen zu programmieren. Diese können dann in eine App übertagen werden und einem Betriebsleiter Hinweise und Handlungsempfehlungen für die Gesundheit seiner Tiere geben, beispielweise bei auffälligen Bewegungsprofilen, die auf eine Erkrankung schließen lassen. Aus Sicht von Professorin Imke Traulsen von der Abteilung „Systeme der Nutztierhaltung“ an der Agrarwissenschaftlichen Fakultät liegt darin eine Chance für mehr Tierwohl: „Das Projekt trägt mit seiner Vernetzung von Daten der unterschiedlichen Akteure entlang der Produktionskette als Basis zur Früherkennung von Schwachstellen und für Entscheidungshilfen wesentlich zu einer zukunftsorientierten Nutztierhaltung bei.“ Wo Daten in großem Umfang gesammelt werden, stellt sich gleichzeitig die Frage des Datenschutzes und der Datensicherheit. Auch für diesen Spezialbereich findet sich im Projektnetzwerk die passende Expertise, etwa mit Professor Bernd J. Hartmann und Professor Hans Schulte-Nölke vom Fachbereich Rechtswissenschaften an der Universität Osnabrück. Beide Forscher sind ausgewiesene Experten, vor allem im Wirtschaftsrecht.

Im Konzeptantrag hatten die Autoren auf die Chancen von 5G für die Lebensmittelherstellung der Zukunft verwiesen: „Durch die Digitalisierung und Vernetzung aller Daten vom Elterntier bis zur Mast, vom Futtermittel bis zum Güllefass kann das gesamte Produktionssystem kontinuierlich intelligent und nachhaltig optimiert werden.“ 5G-Anwendungen stellten einen Meilenstein für die Transformation der Agrar- und Ernährungswirtschaft dar. Neben mehr Tiergesundheit und besserem Nährstoffmanagement  könne 5G für die Verbraucher „geschützte Transparenz vom Hof bis auf den Tisch schaffen“.  Kaum eine Region sei besser für dieses Forschungsprojekt besser geeignet als der Landkreis Vechta, dessen starker landwirtschaftlicher Sektor sich mitten im Transformationsprozess befinde.

Mit Blick auf 5G als neuestem Mobilfunkstandard erinnerte Winkel noch einmal an die Bedeutung des Breitbandausbaus im Landkreis Vechta: „Damit die 5G-Technologie im Landkreis Vechta Einzug halten kann, müssen wir die Mobilfunkmasten in der Region aufrüsten. Das geht nur mit einem leistungsfähigen Glasfasernetz.“ Dafür sei mit der Breitbandinitiative Vechta das größte Infrastrukturprojekt der Landkreisgeschichte auf den Weg gebracht worden, so der Landrat.

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